Monthly Archives: May 2021

Julian Kremer: “Man sollte den Weg wertschätzen”

Genüsslich beißt er in einen Schokoladenosterhasen und erklärt kauend, dass er sich natürlich nur gesund ernähre. In einem seiner YouTube-Videos zeigt Julian Kremer, dass er Humor hat, denn gleich darauf grinst er: “Nein, natürlich esse ich nicht nur gesund. Ich gönne mir auch mal einen Döner. Das ist zum Beispiel mein Lieblingsgericht. Wenn man sich ansonsten ausgewogen ernährt und oft genug trainieren geht, dann kann man sich das auch mal erlauben.” Julian Kremer, von allen Juli genannt, ist ein 22-jähriger Fitness-Influencer aus Koblenz, studiert Business Administration und arbeitet als Finanzdienstleister. Im Interview mit AnyGains spricht er darüber, wie er mit seinem Training Probleme angeht, was es mit dem Protein-Shake seines Vaters auf sich hat und was ihm Meditation bedeutet.

Juli, du lebst sehr bewusst. Hast du heute schon meditiert?

Ja, meine heutige Meditation verbinde ich mit meiner Abend-Mobility-Routine. Dazu schaue ich mir auf YouTube ,,Saturno Movement’’ an. Ich finde, er kombiniert Flexibility, Mobility und Yoga in seinen Videos sehr gut. Anschließend ist man in der perfekten Verfassung, um eine Meditation zu starten. Dabei sitze ich auf meinem Meditationskissen, höre entspannte Musik, achte bewusst auf meine Atmung und versuche, in eine Beobachterrolle zu gelangen.

Was gibt dir diese Meditation?

Die Meditation gibt mir ein Gefühl der Ausgeglichenheit und Harmonie und lässt mich erfahren, wie klein unsere ,,Probleme’’ auf diesem Planeten sind.

Ist das für dich ein Ausgleich zum Training im Fitnessstudio?

Absolut, von der körperlichen Belastung her ein guter Ausgleich. Vom mentalen Training her eine super Ergänzung.

Seit wann trainierst du?

Seit ich zwölf bin, also mittlerweile über zehn Jahre.

Warum hast du mit dem Training begonnen?

Anfangs habe ich mich einfach zu dünn gefühlt und wollte Muskelmasse aufbauen. Da habe ich mir ein paar Hanteln bestellt und nach dem Workout heimlich Papas Protein-Shakes getrunken. Auf YouTube habe ich dann meine Motivation unter anderem durch Jeff Seid, Mischa Janiec und Co. gefunden und einfach drauf los trainiert.

Wieviel Kilogramm Muskelmasse hast du dir in welcher Zeit antrainiert?

Ich wiege 84 Kilogramm auf eine Körpergröße von 1,84 Metern. In meinem besten Jahr 2018 habe ich in einer Aufbau-Saison etwa zehn Kilogramm aufgebaut, natürlich nicht nur Muskelmasse. Da bin ich von einer Diätform mit 82 Kilogramm in den Aufbau gestartet und wog danach 92 Kilogramm.

Auf welche Muskelgruppe bist du am meisten stolz?

Auf meine Arme, weil ich an den Proportionen von Bizeps und Trizeps sehr lange
gearbeitet habe.

Bist du mit einer Muskelgruppe auch unzufrieden?

Meine Schultern könnten noch weiter ausgereift sein. Daran arbeite ich derzeit, um auch die richtigen Proportionen zu Armen, Rücken und Brust herzustellen. Beine und Bauch sind auch Baustellen, denen ich mich aktuell gezielter widme.

Was fasziniert dich am Bodybuilding?

Beim Bodybuilding wird meist nur das Endresultat ,,präsentiert’’. Was mich daran fasziniert, ist eigentlich die Arbeit, die dahinter steckt, einen ästhetischen Körper zu erreichen. Die mentale Stärke und die Kontinuität – im Fitnessstudio, bei der Ernährung, bei der Regeneration -, welche man dabei an den Tag bringen muss, sagen viel über einen Bodybuilder aus.

Inwiefern hilft dir das Training auch mental?

Als Ausgleich zu allen täglichen Herausforderungen. Ob auf der Arbeit oder privat, man steht immer vor gewissen Herausforderungen, denen man sich stellen kann oder vor denen man sich drücken kann. Im Training merkt man, dass es sich lohnt, sich diesen zu stellen! Erstens das unbeschreibliche Gefühl von Stolz und Erschöpfung nach einem Workout und zweitens die Ergebnisse, die man irgendwann an seinem Körper und bei seiner Leistung sieht, bringen das eigene ,,mental game’’ auf ein neues Level.

In welchen Situationen hilft dir das Training besonders?

Beispielsweise, wenn man vor einer großen lebensverändernden Entscheidung steht. Es hilft einfach, sich in Form eines Workouts körperlich auszulasten. Man erlangt während und auch nach dem Training einen klaren Zustand, welcher es erleichtert, über gewisse Themen nachzudenken. Eine Entscheidung zu treffen, die einen auch wirklich langfristig glücklich macht, ist für mich in solch einem Zustand wesentlich leichter.

Welchen Rat würdest du jemandem geben, der Krafttraining zur Stärkung von
Geist und Psyche beginnen will?

Ich bin kein Psychologe, aber ich würde sagen, dass es zunächst sehr wichtig ist, seine aktuelle Situation aus einer Beobachter-Position heraus zu betrachten. Es ist wichtig, eine gewisse mentale Akzeptanz der Ausgangssituation zu erreichen. Auch wenn das Ziel beim Krafttraining meist ein höheres Leistungsniveau oder eine bessere Körperform ist, liegt dieses eigentlich fast immer in der Zukunft. Wenn man seine Ziele klar definiert und dann erreicht, setzt man sich neue. Somit könnte ein Gefühl entstehen, welches einen unterbewusst niemals gänzlich über seine körperliche Erscheinung oder sein Leistungsniveau zufriedenstellen lässt. Man sollte also vielmehr den Weg dorthin wertschätzen und das Gefühl der nicht vollständigen Zufriedenheit akzeptieren. Vielleicht sogar als Anreiz und Antrieb nutzen, um kontinuierlich an sich selbst weiter zu arbeiten.

Was magst du am Bodybuilding-Lifestyle?

Diesen klassischen Bodybuilding-Lifestyle lebe ich gar nicht, da mein persönliches Ziel nicht ist, ein Bühnen-Athlet zu werden. Mein Ziel ist es, eine konstant ästhetische Form zu halten, beweglich zu bleiben und meine Gesundheit stetig zu fördern. Durch Ernährung, Training und Regeneration hat man eigentlich die perfekten Stellschrauben, um genau dieses Ziel zu erreichen. Das mag ich an dem Lifestyle.

Gibt es auch etwas, das dir an dem LIfestyle schwer fällt?

Das Ziel ist es, sein Training und seine Ernährung in eine Gewohnheit zu verwandeln. Dadurch bedarf es ab einem gewissen Punkt keine große Motivation mehr, diesen Lifestyle durchzuziehen. Es fällt mir selbstverständlich schwer, diesen Punkt zu erreichen, wenn ich denn mal aus diesem ,,Flow State’’ heraustrete. Aber gerade das ist ja auch ein Anreiz, dort wieder hinein zu gelangen, Thema “mentale Akzeptanz”.

Welche anderen Hobbies und Leidenschaften hast du?

Ich liebe Surfen! Das kann ich aktuell aber leider nur ein bis zwei Mal im Jahr machen. Ein guter Ersatz ist dafür das Wakeboarden. Ich würde es schon als eines meiner Hobbies betiteln, da auch das gesamte Drumherum, Boot zu fahren und Sommertage zu genießen, eine Leidenschaft von mir ist. Ansonsten fahre ich auch gerne Fahrrad und gehe schwimmen.

Auf YouTube hast du deine Haartransplantation dokumentiert. Würdest du das wieder tun?

Das war eine sehr gute Erfahrung, und ich würde es jederzeit wieder machen. Da ich schon mein Leben lang sehr eitel bin, was meine Haare betrifft, finde ich es einfach cool, jetzt wieder meine Wunschfrisuren tragen zu können.

Hast du Vorbilder?

Tatsächlich habe ich kein bestimmtes Vorbild. Es gibt Menschen, die mich aufgrund bestimmter Persönlichkeitsmerkmale oder Leistungen inspirieren. Diese stelle ich mir dann zusammen und kreiere quasi die Person, zu der ich mich hin entwickeln möchte. Diese Person ist mein Vorbild.

Juli, vielen Dank für das Gespräch.

Juli Kremer auf Instagram: Julian Kremer (@juli_kremer) • Instagram-Fotos und -Videos

YouTube: https://www.youtube.com/channel/UCLYh_ZMmagBh_tD0LLjBrtQ

Facebook: https://www.facebook.com/thejulikremer/

An Expert for Body and Mind: Interview with Yannis Karrer

Photo: Urs Ruchti

It’s highly impressive how much Yannis Karrer can handle. This is true for his workout in the gym as well as for his workload at University. Yannis is not only a successful natural bodybuilder but also a qualified doctor and is just writing his dissertation in the field of sport psychiatry. Besides he works as an online coach. The multiple Swiss natural bodybuilding champion and WNBF pro firstly talks with AnyGains about his contest preparation.

Yannis, in what phase are you currently?

I am just in the last week of bulking before my contest preparation.

Are you satisfied with your shape?

I am satisfied with my current shape. In the past months I could make good progress in my home gym despite lockdown.

What contests are coming up?

This year my debut as a natural bodybuilding pro is planned. I am aiming at three contests: UKDFBA Pro Cup, SNBF Swiss Pro Cup, and WNBF World Championships.

How difficult is it to do natural bodybuilding beside your activities as coach and doctor?

As I am not working as a doctor at the moment, it works well enough. But when I was working as an assistant doctor, the other fields suffered considerably. I don’t yet know how to solve this in the long run.

To what extent does your medical knowloedge help you for bodybuilding?

It helps in many fields, although in medical study, nutrition was treated only sparsely, and workout scientific content not at all. For example, anatomic knowledge helps for workout, physiological and biochemical knowledge for nutrition/supplementation, and generally knowledge about the scientific process for interpreting and reading scientific publications.

Why did you start working out and bodybuilding, and what fascinates you?

I wanted to work out for an aptitude test for the Swiss Army. However, I scrapped my plan for the Army shortly afterwards. My body transformed within a short time significantly, and mine even more than those of my gym buddies. I enjoyed sculpting my physique how I wanted. It’s the artistic aspect which has fascinated me until now.

How much muscle have you built in what time?

Approximately over 55 lbs in just under eleven years. Naturally a large part of it in the first few years.

Many bodybuilders are living on the goals they set themselves. What are your goals?

Basically, my goal is the maximal exploitation of my genetic potential naturally. Moreover, I want to work out until my death and to do this sport on a high level as long as possible. A more identifiable, medium-term goal is a victory at the Natural Bodybuilding Pros and the overall win at the WNBF World Championship of the Pros.

Do you have any idols?

Babacar Niang is my idol in natural bodybuilding. Beside his total package, I admire his constantly cheerful disposition and down-to-earthness. Moreover Jay Cutler is a big idol. Beside his mindset and his success as an active athlete, he is successful in almost every other area of life off bodybuilding. And in contrast to other Mr. Olympia winners he still looks fit after the end of his career, and above all (!) he makes a healthy impression.

How does weight training affect mind and psyche in your opinion?

Physical exercise has, beside many other positive effects on psyche, a certain antidepressant effect. In case of a mental illness like a depression it cannot replace psychotherapy and pharmacotherapy, but it can support the treatment and be perhaps useful in prevention. Beside the direct impact of physical activity, the transformation of the body or the achievement of athletic goals can possibly redound to the benefit of self-confidence and the feeling of self-efficacy. Anecdotally, weight training has a meaningful and a balancing function for some people.

Does this mean that competitive sportsmen are mentally more stable in general?

Competitive sportsmen are not immune to mental illness either, and high-performance sport can entail psychic risks. Often mental strength, which is usually very distinct in case of successful athletes, is equated with psychological health/resilience. But this are different attributes which shouldn’t be conflated in any case. An athlete can suffer from mental illness despite mental strength. Psychological problems in competitive sports are unfortunately still tabued, although mental illness among competitive sportsmen occurs equally or partly even more often. I take enlightenment on this subject seriously, as my research projects are located in the field of sport psychiatry.

Can you explain the positive effects medically?

Presumably the effects are caused by various mechanisms. However, we can say that direct (for example the increase of BDNF level in special brain regions) as well as indirect mechamisms (for example via better physical health condition and higher functionality) seem to be responsible.

Can nutrition help, too?

If you want to progress, nutrition and workout go hand in hand. Even if physical activity has already per se positive effects, nutrition plays a key role when it comes to improve and maintain physical fitness.

Photo: Urs Ruchti

How does weight training help you mentally?

Training helps me in compensation for stressful and/or overly intellectual work. Moreover it gives me a certain structure and meaning in every condition of life.

What advice would you hand out to someone who wants to do weight training for strengthening mind and psyche?

Work out so much that you make progress, and so experience a sense of achievement, but mind that it’s fun! A training which is progress related and maximally effective is of no use in the long term, if you can’t/don’t like to pursue it in the long run. And most important: move! Even if you do something different from weight training, and even if it’s only for 20 minutes per week, that’s better than no exercise at all.

Yannis, thank you for this interview!

Yannis Karrer year of birth: 1995

Height: 5′ 9

Weight: off season end: 218 – 220 lbs, intended competition weight: 198 – 203 lbs

Achievements in natural bodybuilding:

1st Place SNBF Swiss Championship in Natural Bodybuilding Juniors II 2014

1st Place SNBF Swiss Championship in Natural Bodybuilding Men Heavyweight 2014

Overall Champion SNBF Swiss Championship in Natural Bodybuilding Men 2017

WNBF Men’s Bodybuilding Pro Card 2017

Instagram: Yannis Karrer (@ykarrer) • Instagram-Fotos und -Videos

Facebook: Yannis Karrer | Facebook

Yannis Karrer’s master thesis: https://bmjopensem.bmj.com/content/6/1/e000801