Jean-Pierre Sitty: Fitness, Schwarzenegger und ein gutes Leben

Mir geht die Puste aus. Und das gleich doppelt. Zum einen, weil Jean-Pierre, bei dem ich gerade eine Trainingsstunde nehme, das zu stemmende Gewicht erhöht hat. Und zum anderen, weil ich gleichzeitig über einen seiner Scherze lachen muss. “Vergiss das Atmen nicht!”, meint er ganz nüchtern, was mir aber sichtlich schwer fällt bei den vielen Anweisungen, die er mir gegeben hat. Ja, Fitness mit Personal Trainer Jean-Pierre Sitty (1,85 m, 88 kg) aus Mindelheim macht Spaß und ist effektiv. Druckreif erklärt er die Zusammenhänge bei jeder Übung: Atmung, Haltung, Muskeln, Leistungsfähigkeit, Gesundheit. Eins führt zum Anderen. Am liebsten würde ich alles mitschreiben und als Fitness-Ratgeber herausbringen. Seine Erklärungen sind schlüssig, anschaulich und spontan, aus der Situation heraus. So professionell, als ob er es schon seit Jahrzehnten machen würde. Und einen Tipp fürs Leben hat er auch immer noch parat. Das kommt bei ihm nicht anmaßend herüber, sondern sehr besonnen – und ist daher umso wertvoller. Was Jean-Pierre mit seinen 24 Jahren von sich gibt, bringt einen zum Staunen. Wie Fitness, Gesundheit und ein gutes Leben Hand in Hand gehen, erklärt er mir nach unserer Trainingsstunde in diesem Gespräch.

Jean-Pierre, du lebst Fitness im wahrsten Sinne des Wortes. Wie viele Tage hältst du es ohne Fitnessstudio aus?

Gute Frage! Das Maximum, was ich als Trainingspause je verzeichnen konnte, waren krankheitsbedingt zwei Wochen. In diesem Fall hatte ich keine Wahl. Länger als diesen Zeitraum habe ich bis jetzt, seit dem ich 16 Jahre alt war, noch keine Pause gemacht. Daher habe ich meine Grenzen noch nicht ausgetestet.

Was machst du, wenn du mal überhaupt keine Lust zum Trainieren hast?

Mich selbst fragen, warum ich angefangen habe. Gerade auf die Tage, an denen es schwer ist, kommt es an. Meiner Meinung nach ist das simultan auf das alltägliche Leben anwendbar. Wenn man besondere Leistungen vollbringen möchte, muss man stets alles geben, auch wenn man mal keine Lust dazu hat.

Und warum hast du mit dem Training angefangen?

Im Alter von 15 Jahren fühlte ich mich aufgrund herausstehender Schulterblätter unwohl. Deshalb fing ich stupide mit regelmäßigen Klimmzügen und Liegestützen an. Zum Beginn meines 16. Lebensjahres nahm mich mein Vater mit ins Fitnessstudio. Schnell gefiel mir eine Tatsache an diesem Sport: je mehr Zeit man sinnvoll investiert, desto mehr Früchte erntet man auch. Diese Begeisterung erlosch nicht bis zum heutigen Tag. Genau diese Investitionshaltung und die damit verbundene Disziplin kann ich auch im Leben außerhalb des Sports anwenden.

Was macht für dich ein gelungenes Workout aus?

Die Kombination aus mehreren Faktoren. Einerseits muss es ein konzentriertes und leistungsorientiertes Training sein. Andererseits sehe ich das Fitnessstudio auch als Möglichkeit an, soziale Kontakte zu pflegen, solange das nicht allzu stark das Training hinauszögert. Zudem hilft mir das Workout, auf andere Gedanken zu kommen und einen freien Kopf zu bekommen. Wenn diese drei Faktoren aufeinandertreffen, ist es für mich ein gelungenes Workout!

Welche persönlichen Rekorde kannst du verzeichnen?

Ich konzentriere mich nur selten auf Maximalkraft-Versuche, da ich dort ein höheres Verletzungsrisiko sehe. Vor einem Jahr habe ich spontan Lust dazu gehabt und 150 Kilogramm beim Bankdrücken erreicht. Beim Schulterdrücken habe ich in letzter Zeit die 37,5 Kilogramm Hanteln zu zehn Wiederholungen stemmen können.

Manche denken, Kraftsport ist nur Pumpen und Substanzen einnehmen. Was gehört für dich alles zum Fit sein?

Oft wird der Sport nur eindimensional und als stupide angesehen. Tatsächlich hält er mehr bereit als nur Pumpen und Substanzen nehmen, sofern man ihn mit Plan angeht und das Ziel verfolgt, sowohl gesund als auch zielorientiert zu leben. Deshalb gehört für mich auch das anzueignende Wissen von Vorgängen im Körper sowie ein gutes Körpergefühl dazu. Auch das Mindset spielt eine wichtige Rolle. 

Inwiefern?

Letztendlich hängt vieles von der inneren Einstellung ab. Sofern man in der “Diet Mood” ist, kommt es einem oft so vor, dass man permanent Hunger hat, auch wenn das tatsächliche Kaloriendefizit sehr gering ist. Deshalb ist das Mindset in schweren Phasen essentiell. Auch beim Essen spielt Volumen eine wichtige Rolle. Weniger kaloriendichtes Essen kann die Laune während der Diät steigern, da man davon ausgeht, mehr Essen zu haben. Auch ein kleinerer Teller lässt die gleiche Menge an Essen nach mehr aussehen. 

Wie wirken sich Ernährung und Training bei dir psychisch aus?

Nach Phasen in welchen ich mich weniger gesund ernährt habe, oder besonders wenn der Konsum von Alkohol ins Spiel kommt, wird für mich die Sache eindeutig. Eine gesunde Ernährung und regelmäßiges Training steigern mein Wohlbefinden sowie meine Leistung in allen Lebensbereichen deutlich.

Kein Alkohol, keine Süßigkeiten, regelmäßiger Schlaf – wie schwer fällt dir der Fitness-Lifestyle?

Noch vor zwei Jahren war ich äußerst strikt. Praktisch null Alkohol und keine Süßigkeiten sowie hauptsächlich unverarbeitete Lebensmittel. Mit der Erfahrung und anderen Zielen im Leben ist dieser Alles-oder-nichts-Pfad schwer zu vereinen. Mit der Erfahrung habe gelernt dass ein guter Mittelweg, kombiniert mit einigen Dingen die beachtet werden sollten, nahezu zum gleichen Ergebnis führt und weitaus mehr Lebensqualität bietet.

Gibt es noch etwas, das du auf deiner “Fitness-Reise” über dich gelernt hast?

Dass man so gut wie alles im Leben schaffen kann, sofern man ambitioniert, mit Lust und mit Geduld an Ziele herangeht.

Du gibst dein Wissen und deine Erfahrung als Fitness- und Ernährungscoach weiter. Was unterscheidet dich von anderen?

Bei mir steht Qualität vor Quantität. Ich fokussiere mich auf wenige Klienten, die dafür 24/7 betreut werden können. Zudem habe ich dann mehr Lust auf das Coaching, da es weniger erzwungen und auf Abfertigung spezialisiert ist.

Du modelst auch. Wie kam es dazu?

Ich wurde während der Vorbereitung auf die Deutsche Natural Bodybuilding Meisterschaft über Social Media von einem Scout entdeckt, da ich zu dieser Zeit sehr aktiv auf Instagram war.

Welche Anstrengungen bringen Modeln und ein Foto-Shooting mit sich?

Letztendlich muss man dann abliefern, wenn es von einem verlangt wird. Das würde ich als schwierigsten Teil bewerten. Dazu gehört die gesunde Ernährung und der Sport, welchen ich ja sowieso gerne ausübe. 

Foto: David Brad https://www.instagram.com/davidbradmodelmgmt/ http://www.davidbradmodelmanagement.com/

Du bist Student, Fitness-Coach, Model, reist auch gerne. Wie leicht oder schwer fällt es dir, all dem nachzukommen und dabei auch noch fit zu bleiben?

Manchmal ist es echt nicht leicht. Aber in vielen Lebenslagen, in denen es möglich ist, wende ich das Pareto Prinzip an. Dies besagt, dass man mit 20 Prozent der Arbeit meist 80 Prozent des möglichen Ertrags erreichen kann. Das spart Zeit!

Du bist bei der Deutschen Natural Bodybuilding Meisterschaft im Finale Sechster geworden. Welche körperlichen und psychischen Strapazen bringt eine Wettkampf-Vorbereitung mit sich?

Physisch und vor allem psychisch ist die Belastung nicht zu unterschätzen. Zu schaffen macht auch dass der Zeitraum der Vorbereitung mit mindestens drei Monaten Diät sehr lange ausfällt. Letztendlich ist es meist ein Kampf gegen sich selbst, das ist eine schwer zu meisternde Situation.

Welche Ziele hast du in dem Sport?

Gerne würde ich nochmals eine Meisterschaft bestreiten. Aber vorerst möchte ich den Sport Leistungsorientiert weiterverfolgen und bestmöglich in den Alltag integrieren. Zudem möchte ich weiterhin andere Leute davon begeistern. 

Welche beruflichen Ziele hast du?

Erst vor einem Monat habe ich meinen Bachelor in Business Administration abgeschlossen und befinde mich daher erst einmal kurz vor meinem Urlaub und Flug nach New York. Danach werde ich mich für ein Master Studium entscheiden und dann voll in das Arbeitsleben starten. 

Hast du ein Vorbild?

Es mag voraussehbar klingen: es ist Arnold Schwarzenegger. Dies liegt daran, dass er sportlich, politisch und auch in der Unterhaltungsindustrie zur Weltspitze gezählt hat. Die Tatsache, dies in einem Leben zu schaffen, beeindruckt mich. 

Welche anderen Hobbies oder Leidenschaften hast du?

Zu meinen weiteren Hobbys zähle ich das Interesse für Kapitalmärkte sowie Wassersportarten wie Windsurfen oder Wasserski.

Hast du einen Lieblingsspruch?

“Ein Mensch ist das, was man den Tag über denkt.” Dieser Spruch hat mir schon viel geholfen, da man sich immer wieder vorhält, wie wichtig gute Laune und Optimismus sind. Selbst wenn man die Voraussetzungen für ein Ziel erfüllt, kann ein negatives Mindset alles kaputt machen.

Welchen Rat würdest du jemandem geben, der Krafttraining zur Stärkung von Körper, Geist und Psyche beginnen will?

Fokussiere dich auf die Grundprinzipien! Man sollte sich nicht mit Kleinigkeiten ablenken, sondern auf die wichtigen Dinge achten, so wie beispielsweise die richtige Kalorienmenge oder die Nährstoffverteilung.

Und wie sieht dein nächstes Training aus?

Trotz USA-Urlaub wird das Training nicht ausgelassen. Als nächstes steht bei mir ein Brust-, Schulter- und Trizeps-Workout an. Darauf freue ich mich schon!

Jean-Pierre, vielen Dank für das Gespräch!

Jean-Pierre auf Instagram: https://www.instagram.com/jp.sitty/

Jean-Pierre Coaching: https://jpscoaching.jimdofree.com/

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